Autonome UV-C-Roboter ersetzen Fungizide auf 240 Hektar Weinbergen
Der Übergang von herkömmlichen Spritzverfahren zur autonomen Lichtbehandlung gewinnt im gewerblichen Weinbau zunehmend an Dynamik. Das Unternehmen Saga Robotics weitet den Einsatz seiner UV-C-Licht emittierenden Thorvald-Roboter auf über 240 Hektar zertifizierter Bio-Weinberge der Castoro Cellars in Kalifornien aus. Nach drei Jahren der Erprobung wendet sich das Weingut in großem Maßstab von herkömmlichen Schwefel- und Ölanwendungen zur Bekämpfung des Echten Mehltaus ab.
Dieser Ansatz setzt auf präzises Timing und Physik anstelle von Chemie. Die autonomen, elektrisch angetriebenen Roboter navigieren ausschließlich nachts durch die Rebzeilen und geben niedrige Dosen von UV-C-Licht direkt auf das Laubdach ab. Der Einsatz bei Dunkelheit ist entscheidend, da das Sonnenlicht – insbesondere das blaue Lichtspektrum – bei Pilzen einen natürlichen Reparaturmechanismus auslöst, der die durch UV-C verursachten Schäden wieder aufhebt. Diese nächtliche Lichttherapie neutralisiert effektiv den Fortpflanzungszyklus von Echtem Mehltau, Botrytis und Sauerfäule.
Für europäische Landwirte, die mit strengen EU-Vorgaben zur Pestizidreduzierung im Rahmen des Green Deals konfrontiert sind, stellt diese Technologie eine äußerst relevante Alternative. Auch im ökologischen Landbau kann der kontinuierliche Einsatz von Kupfer und Schwefel zu einer Anreicherung von Schwermetallen im Boden führen. UV-C-Behandlungen bieten eine rückstandsfreie Methode, die 60 bis 90 Prozent der herkömmlichen chemischen Anwendungen ersetzen kann und den ökologischen Fußabdruck des Pflanzenschutzes deutlich verringert.
Neben der direkten Krankheitsbekämpfung löst der Wechsel zu leichten Robotern eines der hartnäckigsten Probleme der modernen Landwirtschaft: die Bodenverdichtung. Ein herkömmlicher Traktor mit schwerem Spritzgestänge kann zwischen 4,5 und fast 7 Tonnen wiegen und verdichtet den Boden bei jeder Überfahrt massiv. Im krassen Gegensatz dazu wiegen die Thorvald-Roboter knapp 365 Kilogramm. Diese enorme Gewichtsreduzierung schont die Bodenstruktur, verbessert die Wasserversickerung und fördert eine gesunde Wurzelumgebung.
Auch die finanzielle Einstiegshürde wird neu strukturiert. Anstatt massive Vorabinvestitionen zu verlangen, bieten Unternehmen wie Saga ein „Robots as a Service“ (RaaS)-Modell an. Die Landwirte mieten die Dienstleistung effektiv pro Hektar, wodurch die Technologie zu einer Betriebsausgabe wird, die durch sofortige Einsparungen bei Chemikalien, Traktorendiesel und manueller Arbeit ausgeglichen werden kann. Darüber hinaus entwickeln sich diese Maschinen zu Datenerfassungsplattformen, bei denen neue Kameraintegrationen dazu dienen, Erträge vorherzusagen sowie fehlende oder kranke Rebstöcke zu identifizieren.
Was das für Landwirte bedeutet: Da europäische Aufsichtsbehörden herkömmliche Fungizide zunehmend einschränken, bieten UV-C-Robotik und RaaS-Modelle einen praktikablen Weg, um Erträge ohne hohe Kapitalausgaben zu sichern. Wein- und Beerenobstbauern sollten autonome Lichtbehandlungen nicht nur zur Krankheitsbekämpfung, sondern auch zum langfristigen Bodenschutz evaluieren.
— Redaktion agronom.work