Biographica und Hudson River partnerschaftlich bei Genomeditierung
Das britische Startup Biographica und das niederländische Genomeditierungsunternehmen Hudson River Biotechnology haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Entwicklung von Pflanzeneigenschaften von der zielgerichteten Entdeckung bis hin zu kommerziell nutzbaren Sorten zu optimieren. Dabei wird Biographicas computergestützte Plattform zur Identifizierung wertvoller Gen-Targets mit den hochentwickelten Editierungs- und Regenerationsverfahren von Hudson River verknüpft.
Während herkömmliche Züchtungsmethoden und etablierte Ansätze wie GWAS (Genome-Wide Association Studies) der Saatgutindustrie jahrelang als Standard dienten, belegen sie oft nur Korrelationen und keine direkten kausalen Zusammenhänge. Die KI-gestützte Plattform von Biographica nutzt multimodale Modelle, um die wirksamsten Gene für präzise Modifikationen vorherzusagen und gleichzeitig unerwünschte Nebeneffekte zu minimieren.
Im Fokus der Zusammenarbeit stehen zunächst Tomaten, bevor das Spektrum auf weitere landwirtschaftliche und gartenbauliche Kulturen ausgeweitet wird. Das neue Kooperationsmodell ermöglicht es Züchtungsunternehmen, besonders komplexe genetische Herausforderungen auszulagern, bestehende Patentbarrieren zu umgehen und auch bei schwer transformierbaren Arten wie Erdbeeren transgene-freie Ergebnisse zu erzielen.
Neben einfachen Gen-Knockouts erforschen die Partner komplexere Ansätze, wie etwa die gezielte Modulation von Anfälligkeitsgenen. Pflanzenpathogene nutzen diese Gene häufig zur Infektion, doch ein vollständiges Ausschalten führt oft zu Ertrags- oder Entwicklungseinbußen. Durch feine Eingriffe in die regulatorische DNA soll eine dauerhafte Krankheitsresistenz erreicht werden, ohne Ertragseinbußen hinnehmen zu müssen.
Was das für Landwirte bedeutet: Für europäische Züchter und Agrarunternehmen senkt diese Partnerschaft die Hürde, KI-gestützte Genomeditierung für anspruchsvolle Kulturen zu nutzen. Angesichts möglicher regulatorischer Anpassungen bei neuen genomischen Techniken (NGTs) in der EU ebnet dies den Weg für schneller verfügbare, klimaresistente Pflanzensorten.
— Redaktion agronom.work