Dürre und Ethanol-Nachfrage treiben Futtermaispreise in Europa nach oben
Europäische Tierhalter, insbesondere im Geflügelsektor, stehen aufgrund stark gestiegener Futtermittelkosten unter erheblichem Druck bei den Gewinnmargen. Mais, der üblicherweise 55 % bis 65 % des Gewichts von Masthähnchenfutter ausmacht, hat in den letzten Jahren einen massiven Preisanstieg verzeichnet. Branchenschätzungen zufolge sind die von Geflügelzüchtern gezahlten Preise für Futtermais auf 0,27 bis 0,28 Euro pro Kilogramm gestiegen, verglichen mit 0,12 bis 0,14 Euro im Jahr 2019.
Dieser Preisanstieg wird durch eine Kombination aus anhaltenden Wetterextremen, insbesondere regionalen Dürren, die die inländischen Getreideerträge geschmälert haben, und starker industrieller Nachfrage angetrieben. Insbesondere die Biokraftstoffindustrie konkurriert mit ihrem Bedarf für die Ethanolproduktion direkt mit der Futtermittelindustrie um die verfügbaren Getreidereserven. Dadurch verringert sich das verbleibende Maisangebot für die Tierernährung, was die Beschaffungskosten für Mühlen und integrierte Betriebe in die Höhe treibt.
Fleischverarbeiter und der Lebensmitteleinzelhandel befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen steigenden Produktionskosten und preissensiblen Verbrauchern. Während einige Unternehmen versuchen, einen Teil der finanziellen Last abzufedern, um Marktanteile zu halten, nehmen andere selektive Preiserhöhungen vor. Diese Maßnahmen erfolgen kurz vor dem saisonalen Anstieg des Fleischkonsums im Herbst.
Für Ackerbauern spiegelt das Preisniveau zwar eine starke Nachfrage wider, verdeutlicht aber auch die erhebliche Volatilität durch Witterungseinflüsse und alternative Verwendungszwecke. Für Vieh- und Geflügelbetriebe, die traditionell mit knappen Margen arbeiten, gefährden die anhaltend hohen Futterkosten die wirtschaftliche Stabilität von Kleinbetrieben ohne langfristige Absicherungsstrategien.
Was das für Landwirte bedeutet: Tierhalter sollten ihre Futterrationen überprüfen und den Einsatz alternativer Energiequellen oder Nebenprodukte (wie Weizen oder DDGS) in Betracht ziehen, um die Abhängigkeit von teurem Mais zu verringern. Frühzeitige Absicherungen über Termingeschäfte mit Getreidehändlern helfen, die Betriebsausgaben zu stabilisieren.
— Redaktion agronom.work