EU will Agrarforschung trotz Budgetdruck schneller auf den Markt bringen
Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Landwirtschaft kamen in Brüssel zur EU-AgRI-2040-Konferenz zusammen, um eine zentrale Frage zu klären: Wie lassen sich europäische Forschungsleistungen bei knappen öffentlichen Kassen schneller in skalierbare Geschäftsmodelle und marktreife Agrartechnologien überführen? Elisabeth Werner von der Europäischen Kommission betonte, dass Europa zwar hervorragende Ideen hervorbringe, deren praktische Umsetzung auf landwirtschaftlichen Betrieben im Vergleich zu globalen Wettbewerbern wie China jedoch zu langsam verlaufe.
Im Mittelpunkt standen die strategischen Rahmenbedingungen von AgRI 2040 und Food 2040, die darauf abzielen, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Lebensmittelverarbeitung zukunftssicher zu machen. Angesichts der laufenden Verhandlungen über den EU-Haushalt und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2028–2034 soll verstärkt privates Kapital mobilisiert werden. Ein vorgeschlagener Europäischer Wettbewerbsfonds in Kombination mit dem Programm „Horizont Europa“ soll hunderte Milliarden Euro für sektorübergreifende Innovationen freisetzen.
Ein Hauptkritikpunkt auf der Konferenz war die erdrückende Bürokratie und langwierige Zertifizierungsverfahren in der EU. Landwirte und Gründer wiesen darauf hin, dass die Markteinführung neuer Agrarlösungen in Europa oft bis zu zehn Jahre dauert, während dies in den USA wesentlich schneller geht. Die rumänische Landwirtin Iulia Blagu beklagte, dass Betriebe angesichts schwerer Dürren und Klimaschocks zu lange auf dringend benötigte technologische Lösungen warten müssen.
Um diese Hürden zu überwinden, betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit stärkerer öffentlich-privater Partnerschaften und einer höheren Risikobereitschaft von Großkonzernen. Öffentliche Institutionen sollten demnach mit gutem Beispiel vorangehen und Innovationen direkt von Start-ups beschaffen. Auch regulatorische Reallabore und der Abbau administrativer Belastungen gelten als entscheidend, um den Weg vom Labor in die Praxis zu verkürzen.
Was das für Landwirte bedeutet: Die angekündigten Reformen und strategischen Initiativen der EU zielen darauf ab, bürokratische Hürden abzubauen und praxistaugliche Innovationen schneller in die Betriebe zu bringen. Für Landwirte und Agrartechniker bedeutet dies mittelfristig einen besseren und zügigeren Zugang zu klimaresilienten Technologien und digitalen Betriebsmitteln.
— Redaktion agronom.work