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EU lockert Regeln für Genom-editierte Pflanzen: Chancen für die Landwirtschaft

EU lockert Regeln für Genom-editierte Pflanzen: Chancen für die Landwirtschaft

Die Europäische Union steht vor einer historischen Reform der Zulassungsregeln für Pflanzen, die mit Neuen Genomischen Techniken (NGT) wie CRISPR-Cas9 gezüchtet wurden. Durch die Abkehr von den restriktiven, über 20 Jahre alten GMO-Richtlinien will die EU den Zulassungsprozess für klimaresistente Nutzpflanzen vereinfachen. Dieser Schritt markiert einen grundlegenden Wandel in der europäischen Agrarpolitik hin zu technologieoffener Anpassung an den Klimawandel.

Für Landwirte und Agronomen ist der Unterschied zwischen klassischen GVO (genetisch veränderten Organismen) und NGT-Pflanzen entscheidend. Während bei klassischen GVO artfremde Gene in das Erbgut eingeschleust werden, verändern NGTs das vorhandene Genom einer Pflanze präzise an bestimmten Stellen – ein Prozess, der natürliche Mutationen nachahmt, jedoch wesentlich schneller abläuft. Dies verkürzt den Züchtungsprozess von Feldkulturen von oft zehn Jahren auf wenige Saisons.

Diese gesetzliche Erleichterung wird direkte Auswirkungen auf die Betriebsmittelkosten und die Anbaustrategien haben. Angesichts zunehmender Dürreperioden in Deutschland und Polen ist der Zugang zu trockenheitsresistentem Saatgut ein entscheidender Faktor für die Ertragssicherung. Pflanzen, die resistenter gegen Krankheiten oder Wassermangel sind, reduzieren den Bedarf an Fungiziden und Insektiziden, was Betrieben hilft, die strengen EU-Vorgaben zur Pestizidreduktion einzuhalten.

Auch die europäische Züchtungslandschaft steht vor einem Umbruch. Mittelständische Züchter erhalten nun die rechtliche Sicherheit, NGT-Sorten ohne die bisher unbezahlbaren Hürden des alten Gentechnikrechts auf den Markt zu bringen. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft im Vergleich zu Mitbewerbern aus Nord- und Südamerika, die diese Technologien bereits seit Jahren nutzen.

Was das für Landwirte bedeutet: Mit den ersten kommerziellen NGT-Saatgutsorten, insbesondere krankheitsresistenten Kartoffeln und trockenheitstolerantem Getreide, ist in den nächsten drei bis fünf Jahren zu rechnen. Betriebe mit Öko-Landbau müssen jedoch beachten, dass NGTs im Bio-Sektor voraussichtlich verboten bleiben, was strenge Abstandsregelungen erfordern könnte.

— Redaktion agronom.work