Halbe Ernte, doppelte Rechnungen: Wie die Dürre die Landwirtschaft trifft
Die europäische Landwirtschaft sieht sich in der Vegetationsperiode 2026 mit schweren Wetteranomalien konfrontiert, die die tiefe Anfälligkeit konventioneller Anbausysteme gegenüber anhaltender Trockenheit offenbaren. Getreideerzeuger in wichtigen Anbauregionen melden katastrophale Ertragsverluste, wobei die Weizenernten im Vergleich zu langjährigen Durchschnitten um bis zu die Hälfte eingebrochen sind. Dieser drastische Rückgang der heimischen Getreideproduktion verknappt die regionalen Marktbilanzen und hinterlässt Betriebe mit deutlich sinkenden Umsätzen, während die Fixkosten und Betriebsmittelaufwendungen auf hohem Niveau verharren.
Gleichzeitig trägt der Viehsektor die Hauptlast dieser Klimaschocks. Milch- und Rinderhalter verzeichnen stark steigende Betriebsausgaben, die vor allem durch explodierende Futterkosten und den intensiven Managementaufwand zur Erhaltung der Herdenproduktivität bei extremer Hitze angetrieben werden. Die Weiden in Mittel- und Westeuropa trocken vorzeitig aus, sodass Landwirte bereits im Sommer auf eingelagertes Winterfutter zurückgreifen müssen, was den finanziellen Druck auf familiengeführte Milchviehbetriebe massiv erhöht.
Als Reaktion auf diese Krisen beschleunigen progressive landwirtschaftliche Betriebe die Einführung regenerativer und klimafreundlicher Ackerbaumethoden. Anstatt sich ausschließlich auf intensiv gedüngte und wasserintensive Monokulturen zu verlassen, überdenken Vorreiterbetriebe ihre Fruchtfolgen und Landnutzungsstrategien, um sich gegen künftige Wetterextreme abzusichern und die langfristige Rentabilität zu sichern.
Ein Grundpfeiler dieser Umstellung ist die Diversifizierung von Futter- und Ackerbausystemen durch den gezielten Anbau von Mischgrasbeständen. Diese tiefwurzelnden Weidemischungen weisen eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Bodenfeuchtedefiziten auf als herkömmliche Weidelgräser und halten die Grünmasseproduktion in trockenen Sommern wesentlich länger aufrecht. Ebenso ermutigen Agronomen zu einer Rückkehr zu robusten Getreidesorten mit starkem Wurzelsystem und besserer Hitzetoleranz.
Über das unmittelbare Kultur- und Weidemanagement hinaus erfordert die langfristige Betriebsstabilität zunehmend agroforstwirtschaftliche Prinzipien. Die Integration von Bäumen in Tierweiden und Ackerflächen spendet lebenswichtigen Schatten zur Minderung von Hitzestress bei Weidetieren und senkt mikroklimatische Temperaturen, die die Bodenverdunstung beschleunigen. Auch wenn die Umstellung auf solche adaptiven Systeme Vorabinvestitionen erfordert, machen die Häufung von Extremwetterereignissen solche strukturellen Anpassungen unverzichtbar.
Was das für Landwirte bedeutet: Die Kombination aus geringeren Getreideerträgen und gestiegenen Tierhaltungskosten dürfte den Aufwärtsdruck auf die Getreide- und Milchpreise im kommenden Vermarktungsjahr aufrechtzuerhalten. Betriebsleiter und Agronomen müssen der Dürreminderung, dem Erhalt der organischen Bodensubstanz und einer alternativen Futterplanung Priorität einräumen, um die Margen zu schützen.
— Redaktion agronom.work