Milchkrise spitzt sich zu: Erzeugerpreise fallen unter die Produktionskosten
Der Milchsektor schlägt Alarm, da die Erzeugerpreise für Milch weiterhin unter die tatsächlichen Produktionskosten fallen. Für viele Landwirte in ganz Europa führt die aktuelle Marktdynamik zu einem unerträglichen finanziellen Druck. Es wächst die Sorge, dass eine weitere Welle von familiengeführten Milchviehbetrieben zur Schließung gezwungen wird oder an große Agrarkonzerne verkaufen muss.
Aktuelle Branchenanalysen, darunter auch Daten des britischen Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB), bestätigen den Ernst der Lage. Umfragen zeigen, dass die Zahl der aktiven Milchviehbetriebe auf ein Rekordtief gesunken ist. Dieser Trend wird fast ausschließlich durch die drastisch sinkenden Margen getrieben, also die Differenz zwischen dem Milchgeld der Molkereien und den laufenden Ausgaben der Landwirte.
Die Ursache dieser Krise liegt in einer Kombination wirtschaftlicher Belastungen. Während der Basispreis für Milch an den globalen Rohstoffmärkten nachgegeben hat, bleiben die wesentlichen Betriebskosten für Futtermittel, tierärztliche Versorgung, Energie für die Melkstände und landwirtschaftliche Arbeitskräfte hartnäckig hoch. Diese Diskrepanz führt dazu, dass die Erzeuger die Verluste direkt auffangen müssen.
Die anhaltende Konsolidierung in der Milchindustrie hat tiefgreifende Auswirkungen auf den landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt und die ländliche Wirtschaft. Da kleinere Familienbetriebe den Sektor verlassen, erfordern die verbleibenden Großbetriebe völlig andere Personalstrukturen. Sie setzen häufiger auf Automatisierung, Melkroboter und spezialisierte Herdenmanager anstelle traditioneller Hilfskräfte.
Was das für Landwirte bedeutet: Wenn sich die Erzeugerpreise nicht bald erholen, ist mit einem weiteren Rückgang unabhängiger Milcherzeuger zu rechnen. Dies wird das Angebot an Rohmilch auf lokaler Ebene verknappen und könnte die Molkereien schließlich zwingen, Verträge nachzuverhandeln, um sich verlässliche Mengen zu sichern.
— Redaktion agronom.work