Mobiles Nährstoff-Testing: Picketa Systems sichert sich 1,5 Mio. USD für Agritech-Innovation
Die traditionelle Untersuchung der Nährstoffversorgung von Pflanzen ist oft ein langsamer und kostspieliger Prozess. Agronomen und Landwirte müssen Blattproben ins Labor schicken und tagelang auf die Ergebnisse warten. Bis die Antwort eintrifft, kann das optimale Zeitfenster für die Düngung oder die Korrektur von Mangelerscheinungen bereits verstrichen sein. Aus diesem Grund verlassen sich viele europäische Landwirte auf visuelle Begutachtungen oder veraltete regionale Empfehlungen, was entweder zu Ertragseinbußen oder zu unnötigen Ausgaben für Betriebsmittel führt.
Das kanadische Agritech-Startup Picketa Systems will diese Situation mit seiner mobilen LENS-Technologie ändern und sicherte sich kürzlich 1,5 Millionen US-Dollar für die weitere Expansion. Das Gerät nutzt optische Sensoren, um die Lichtreflexion von Blättern zu messen. Anschließend wandelt maschinelles Lernen diese Daten in präzise Schätzungen der Konzentration von 13 wichtigen Nährstoffen um. Anstatt sich auf wenige Proben zu beschränken, können Agronomen hunderte Messungen auf dem gesamten Feld durchführen und die Ergebnisse in Minutenschnelle über die dazugehörige Fieldbook-Software abrufen.
Das System wurde bereits für Kartoffeln, Mais und Raps validiert; die Ausweitung auf Sojabohnen und Weizen ist in Vorbereitung. Die Technologie ermöglicht es den Landwirten, den Nährstoffgehalt vor und nach der Düngerausbringung zu überprüfen und so ein sofortiges Feedback zur Wirksamkeit der Maßnahme zu erhalten. Nach Angaben des Unternehmens kann die Nutzung dieser Echtzeitdaten dazu beitragen, die Düngemittelkosten um bis zu 20 % zu senken und gleichzeitig die Erträge zu steigern, da die Nährstoffe punktgenau appliziert werden.
Derzeit gewinnt die Plattform, die für Hardware, Software und unbegrenzte Probenahmen 10.000 USD pro Jahr kostet, in Nordamerika zunehmend an Bedeutung. Auch wenn sich dieser Preis eher an große Betriebe und landwirtschaftliche Beratungsunternehmen richtet, zeigt die Entwicklung einen branchenweiten Trend hin zur datengesteuerten Bestandsführung auf. Das erklärte Endziel der Entwickler ist es, derartige Sensortechnologien mit autonomen Landmaschinen zu kombinieren und so den Düngerkreislauf auf Basis des aktuellen Pflanzenbedarfs vollständig zu automatisieren.
Was das für Landwirte bedeutet: Angesichts hoher Düngemittelpreise und strenger europäischer Umweltauflagen wird der Wechsel zu sofortigen Feldanalysen entscheidend für die Erhaltung der Profitabilität sein. Auch wenn dieses spezifische System zunächst in Nordamerika skaliert wird, steht der Trend, zeitraubende Laboranalysen durch schnelle Scans zu ersetzen, für die unmittelbare Zukunft der europäischen Präzisionslandwirtschaft.
— Redaktion agronom.work