Regenerative Landwirtschaft: Lehren von einem belgischen Landwirt ohne Bewässerung
In einer Zeit, in der der Klimawandel und die damit verbundene Trockenheit europäische Landwirte dazu zwingen, ihre Wassermanagement-Strategien zu überdenken, liefert ein belgischer Erzeuger ein beeindruckendes Beispiel für Effizienz. Diederik Steyaert berichtet, dass er seit 26 Jahren seine Feldfrüchte nicht bewässert, selbst in den extremsten Sommern. Sein Geheimnis liegt in der langfristigen Veränderung der Bodenstruktur.
Der Kern der Methode ist der vollständige Verzicht auf das Pflügen, wodurch die feinen Kapillaren und die Bodenstruktur erhalten bleiben, die für die Wasserspeicherung entscheidend sind. Durch die kontinuierliche Einarbeitung organischer Substanz und die ständige Bodenbedeckung wirkt der Boden wie ein Schwamm. Selbst wenn die Oberfläche ausgetrocknet erscheint, zeigt ein einfacher Test in nur 5 bis 10 Zentimetern Tiefe, dass die Erde dort feucht und kühl bleibt.
Dieser Ansatz verdeutlicht den engen Zusammenhang zwischen Bodenkohlenstoff und hydrologischer Resilienz. Für Agronomen und Landwirte ist dies nicht nur eine ökologische Erfolgsgeschichte, sondern auch ein finanzieller Gewinn: Es spart hohe Energiekosten für Bewässerungssysteme und minimiert das Risiko von Ernteausfällen bei Hitzewellen. Die Widerstandsfähigkeit des Bodens gegenüber extremen Witterungsbedingungen wird zu einem wirtschaftlichen Faktor.
Die Umstellung auf solche Praktiken erfordert jedoch Anpassungen im Maschinenpark. Der Wechsel von konventioneller Bodenbearbeitung zu No-Till (Direktsaat) erfordert präzise Technik, die in der Lage ist, dichte Zwischenfruchtbestände und Bodenkrusten zu durchdringen. Auch wenn die anfänglichen Investitionen hoch sein können, bietet die langfristige Stabilität der Erträge in einem klimatisch unberechenbaren Europa eine wettbewerbsfähige Alternative zur traditionellen Bewirtschaftung.
Praktische Erkenntnis: Die gezielte Förderung der Bodenorganik und ein kluges Zwischenfruchtmanagement können als natürlicher Schutz gegen Trockenheit dienen und teure Bewässerungsinvestitionen langfristig überflüssig machen. Betriebe sollten mit kleinen Testflächen beginnen, um ihre Sätechnik anzupassen und die Wasserhaltekapazität zu prüfen, bevor sie ihre gesamte Fläche umstellen.
— Redaktion agronom.work