Robotisierte Zitrusernte: Nanovel zielt auf den europäischen Markt ab
Die Ernte von Zitrusfrüchten ist eine der größten Herausforderungen für die Agrarrobotik. Im Gegensatz zu standardisierten Kulturen hängen Zitrusfrüchte oft tief im Inneren eines dichten Blätterdachs. Ein autonomes System muss in der Lage sein, Früchte mittels 3D-Bildverarbeitung zu erkennen, durch das Geäst zu navigieren und die Stiele präzise zu schneiden, ohne den Baum oder die Frucht selbst zu beschädigen.
Das israelische Unternehmen Nanovel hat ein System mit sechs Teleskoparmen entwickelt, das durch Künstliche Intelligenz koordiniert wird. Der Ansatz besteht nicht darin, den Menschen vollständig zu ersetzen, sondern dessen Produktivität zu steigern. Während der Roboter 70-80 % der Ernte übernimmt, kann sich ein menschlicher Bediener auf die schwer erreichbaren Früchte konzentrieren – dies kann die Arbeitsleistung pro Kopf vervierfachen.
Für Landwirte in Südeuropa, wo die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften sinkt und die Lohnkosten steigen, bietet diese Technologie eine notwendige Planungssicherheit. Ein Roboterfuhrpark ermöglicht es, Erntezeitpläne unabhängig von unvorhersehbaren Engpässen bei der Arbeitskraft einzuhalten. Da die manuellen Erntearbeiten derzeit bis zu 50 % der Produktionskosten ausmachen, ist das Einsparpotenzial erheblich.
Das Unternehmen hat einen Zuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Europäischen Innovationsrat (EIC) erhalten und plant Pilotprojekte in Südeuropa für das Jahr 2027. Der Verkaufspreis der Maschine wird auf ca. 400.000 Dollar geschätzt, bei einer Amortisationszeit von etwa fünf Jahren. Zukünftig sollen die Maschinen auch Daten über Fruchtgröße und Qualität erfassen, um so agronomische Entscheidungen wie Düngung oder Bewässerung zu optimieren.
Praktische Erkenntnis: Die Investition in solche Robotersysteme ist für Großbetriebe eine langfristige Strategie zur Risikominimierung. Landwirte sollten die Entwicklung verfolgen, da die Kombination aus Erntearbeit und digitaler Bestandsanalyse einen Mehrwert schafft, der weit über die bloßen Arbeitskosten hinausgeht.
— Redaktion agronom.work